Øen Bornholm-Roman

Mein neuer Roman ist da – für alle Bornholmliebhaber und solche, die es werden wollen.

Am 16. Juli 2026 erschien er im Verlag Ralf Liebe.

Es ist ein kleiner Roman mit 143 Seiten, Fadenbindung und Festeinband. Es ist ein handwerklich schönes Buch aus Liebes Druckwerkstatt.

„Erst seit Sonntag weiß ich, dass mein Vater nicht mein Vater ist, dass der biologische …“

Der deutsche Polizist Lars Lerchenberger reist mit seiner Familie auf die dänische Insel Bornholm. Er möchte sich von einem traumatischen Erlebnis erholen. Eingeladen hat ihn seine Tante Ella, die seit zehn Jahren in Rønne lebt. Dort erfährt er von einem Familiengeheimnis und einem möglichen Erbe.

Neugierig geworden, begibt Lars sich nach Gudhjem. Er ahnt nicht, dass er seinem Vater sehr ähnlich sieht.

Leseprobe:

1.

Kopenhagen

Mads schenkte sich Kaffee aus der Thermoskanne ein und trat mit dem Becher ans Fenster. Er hatte sich in die Stille seines Büros zurückgezogen, um ein launiges Gedicht auf seinen Zwillingsbruder Morten zu verfassen. In zwei Wochen würden sie 55 Jahre alt werden. In Dänemark wurden zu solchen Feiern selbstverfasste Lieder oder Gedichte erwartet. Alles, was ihm bis jetzt eingefallen war, füllte den Papierkorb. Sie sahen sich kaum, unternahmen nichts mehr miteinander. Ihre Frauen sahen sich öfter, die Schwestern waren immer noch ein Herz und eine Seele, obwohl sie unterschiedlich waren. Tove hatte ihm erzählt, dass Morten, der früher als Übersetzer gearbeitet hatte, nun an einem eigenen Kriminalroman schrieb. Es fühlte sich für Mads so an, als ob sie einander mit den Jahren fremder wurden.

Berlin war ihre Vaterstadt, København die Stadt ihrer Mutter. Es war gut, hier zu wohnen und zu arbeiten. Öko war Trend, und gesunde Ernährung Fortschritt. Das sah er täglich in seinem Geschäft und verdiente gut daran. Und er liebte die Stadt am Wasser, die Aussicht auf die alten Türme und die begrünten Dächer. Sollte er Verse von Max und Moritz auf Mads und Morten umdichten? So hatte sein Vater sie immer genannt. Ach was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Mads und Morten hießen. Die Geschichte ging nicht gut aus. Rickeracke, Rickeracke geht die Mühle mit Geknacke – nein, das Ende hatte er immer gefürchtet. Dabei waren die Verse so eingängig und kamen so leicht daher – vielleicht hatte Wilhelm Busch auch ganz lange darüber gebrütet, nur sah es überhaupt nicht danach aus. 

Das Handy riss ihn aus seinen Gedanken.

Er nahm den Anruf an, ohne aufs Display zu sehen. „Mads Schneider-Hansen.“

„Tove hier“, die Stimme seiner Frau, gehetzt – bestimmt war gerade viel im Laden zu tun. „Mor hat eben angerufen, Far ist gestorben.“

Sein Schwiegervater war schon lange krank, sein Tod war abzusehen gewesen, trotzdem war die Nachricht wie ein Faustschlag in den Magen. „Oh, das tut mir leid“, brachte er heraus.

„Ja, nun müssen wir nach Bornholm. Nächste Woche am Dienstag ist schon die Beisetzung. Du, Morten und die Kinder könnt bei Povl auf dem Hof wohnen, Merrit und ich werden bei Mor bleiben. Dann können wir ihr bei den Vorbereitungen helfen.“

„Das geht aber jetzt schnell!“ Mads war überrascht, gleich schon von fertigen Plänen zu hören.

„Mor war doch darauf vorbereitet. Far hat es geschafft, so sieht sie das und Merrit und ich auch. Sagst du bitte meiner Schwester Bescheid.“

„Natürlich“, sagte er und dachte, dass sie gemeinsam schon lange nicht mehr auf Bornholm gewesen waren – und er das eigentlich auch gar nicht wollte. Aber bei so einem Anlass musste das sein. 

Er rief umgehend bei seiner Schwägerin an. Aber es meldete sich Morten.

„Ich habe eine traurige Nachricht“, sagte Mads, um Morten etwas vorzubereiten. „Tove rief eben an, unser Schwiegervater ist gestorben. Am Dienstag ist schon die Beerdigung.“

„Nun werden die Bilder des alten Hansen aber wertvoll.“

„Sag bloß, du besitzt welche?“

„Nein – aber wir erben die doch.“

„Da ist noch seine Witwe“, erinnerte ihn Mads, „und bevor du etwas erbst, bekommen seine Töchter das.“

„Ja, alles klar, Tove und Merrit, unsere geliebten Frauen.“ Mortens Lachen klang wie das Meckern eines Ziegenbocks und dieses blieb Mads noch eine ganze Weile im Ohr, obwohl er das Gespräch längst beendet hatte.

2.

Rønne

„Traritrara, die Post ist da!“ Jacob stürmte herein. Vor vielen Jahren hatte er in Flensburg die Post zugestellt, und mit diesem deutschen Satz fiel er Ella immer ins Haus, wenn er einen Brief für sie hatte. Im Sommer hatte er es eilig, dann wollte er rechtzeitig mit seiner neuen Liebe auf seinem Segelboot unterwegs sein. Nur im Winter blieb er auf einen Kaffee und einem Schwatz auf Deutsch länger, um sich aufzuwärmen und seine Sprachkenntnisse zu pflegen, wie er immer behauptete.

Ella sah auf, sie hatte die Hände im Teig um Streusel zu kneten.

„Er passte nicht in deinen Kasten.“ Jacob legte den umfangreichen Brief auf den Küchentisch. „Was wird das?“

„Apfelkuchen.“

„Hm – hoffentlich lässt du mir ein Stück für morgen?“

„Falls mein Besuch etwas übrig lässt, gern.“ Ella schmunzelte.

Während Jacob davoneilte, sah Ella neugierig auf den großen, dicken Umschlag, deutschen Briefmarken waren darauf. Dann erstarrte sie – das war ein Brief von Silke! Die Handschrift ihrer Schwester kannte sie genau – nur war Silke seit einigen Wochen tot. Ella überlief es kalt. Das war wie eine Nachricht wie aus dem Grab!

Sie wusch sich die Hände, trocknete sie sorgfältig ab und ließ sich auf einem Stuhl nieder. Seit zehn Jahren – so lange sie hier in Rønne lebte – hatten sie keinen Kontakt mehr gehabt. Aber es war ein Brief von ihr. Auf der Rückseite stand ihr Absender, nur die Anschrift stimmte nicht. Dass der Brief sie überhaupt erreicht hatte war ein Wunder! Silke hatte weder eine Postleitzahl, Bornholm oder Dänemark auf den Umschlag geschrieben. Als wüsste jeder, dass Rønne auf Bornholm liegt und Bornholm zu Dänemark gehört. Der dicke Brief musste erst durch die ganze Welt gereist sein – jedenfalls ließen die Vermerke und Stempelabdrucke darauf schließen. Und doch hatte er sie erreicht.

Ella nahm ein Küchenmesser und schlitzte den Briefumschlag auf. Zwei Briefe waren darin. Der größere war für ihren Sohn Lars, auf dem kleineren stand: für Ella. Ella öffnete ihn mit zitternden Händen.Liebe Ella,

schon lange wollte ich dir schreiben – aber ich war noch nie gut darin, Fehler einzusehen. Doch ich habe erkannt, dass du Recht hattest. Es tut mir leid, dass es durch meine Dickköpfigkeit zu dem Streit gekommen ist.

Bitte sag Lars die Wahrheit, er muss wissen, wer sein leiblicher Vater ist – ich hatte es immer vorgehabt, aber ich konnte es nicht. Du kannst es bestimmt viel besser.

Ja, ich bin ein großer Feigling. In meinem Freundeskreis sehe ich, wie Hinterbliebene sich wünschen, sie hätten dies oder das noch erledigt oder gesagt. Ich möchte auch, dass alles am Ende in Ordnung ist!

Hoffentlich kannst du mir verzeihen, dass ich so viele Jahre verstreichen ließ. Ich war so dumm und habe dich, meine liebe Schwester, dadurch verloren. Vielleicht können wir uns wiederfinden.

Das wünscht sich

Deine Schwester

SilkeElla las den Brief noch einmal. Wenn Silke das bloß früher eingesehen hätte! Wie oft hatte sie ihr gefehlt in all den Jahren. Und nun kam der Brief an und Lars mit seiner kleinen Familie. Sie hatte ihn nach Bornholm eingeladen, weil sie auf Silkes Beerdigung gesehen hatte, dass er Erholung nötig hatte. Auch wenn ein Polizist im Streifendienst so manchen Unfall erleben musste, war es doch ein furchtbares Erlebnis, zu einem Verkehrsunfall mit Radfahrer gerufen zu werden – und dort seine eigene Mutter auf der Straße liegen zu sehen, die verblutete. Das hätte wohl den erfahrensten Mann umgehauen – und Lars war besonders sensibel. Er hatte ihr so leid getan. Die Ruhe und die Seeluft würden ihm helfen, sein seelische Gleichgewicht wiederzufinden, hatte sie gedacht. In der Nachsaison war das Blaue Haus, das ihren Freunden gehörte, günstig zu mieten. Ausgerechnet jetzt kam Silke an, sie solle ihrem Sohn alles erzählen. Ella war dermaßen durcheinander, dass sie nicht wusste, ob es nicht besser sei, den Brief ungelesen in den Ofen zu stecken. Lars sollte doch wieder zu sich kommen. Vielleicht würde ihn die Aufklärung erst richtig schaden.

Durch das geschlossene Fenster hörte sie drei mächtige Töne eines Typhons, die anzeigten, dass die Maschine des Schiffes rückwärts lief. Die Fähre mit Lars an Bord drehte im Hafenbecken, um mit dem Heck anzulegen. Erst morgen würden sie zu ihr kommen, das hatten sie am Telefon vereinbart. Drei Wochen blieben ihr, um zu überlegen, was sie tun sollte. Dann würde sie hoffentlich wissen, was gut für Lars war. Silke konnte ihr nun keine Vorschriften mehr machen.

Ella legte die Briefe zur Seite und kümmerte sich um den Apfelkuchen.7.

Rønne

Ella räumte auf, spülte ab und begann, Gemüse für das Abendessen zu schneiden. Sie wollte eine Fischsuppe kochen – doch wenn Ole ohne Fisch kam, würde es eben eine Gemüsesuppe werden.

Bald musste sie Licht einschalten; es wurde schnell dunkel. Dann hörte sie den Regen. Erst leises Trommeln, dann prasselten Hagelkörner gegen das Fenster. Dicht und heftig stürzten Wassermassen vom Himmel. Der Lärm übertönte alles, sodass sie nicht bemerkte, wie die Haustür geöffnet wurde. Plötzlich stand Ole im Flur, tropfnass. „Hej, endlich Regen!“, rief er lachend.

Ella warf ihm ein Handtuch zu. „Nasse Frösche kriegen keinen Kuss.“

Er rubbelte sich trocken, hängte seine Jacke an den Haken im Flur und zog ein in Zeitung gewickeltes Päckchen aus der Tasche. Mit einem triumphierenden Lächeln legte er es auf das Spülbrett. „Hier kommt der frische Dorsch.“ Dann zog er sie in seine Arme und küsste sie.

„Gut, mein Dorsch.“ Ella wickelte den Fisch aus der Zeitung. „Das war mal ein richtig großer Bursche.“

Ole schüttelte den Kopf. „Nein, leider waren es nur drei kleine. Große Fische habe ich schon lange nicht mehr gesehen.“

„Aber es reicht für die Suppe.“ Ella spülte die Filets, schnitt sie in Stücke und gab sie in den heißen Gemüsesud. „Gleich können wir essen.“

Gerade wollte sie die Zeitung zusammenknüllen, als ihr Blick an einer Todesanzeige hängen blieb. Ihr Herz setzte für einen Moment aus. „Hendrik Hansen ist gestorben!“, rief sie erschrocken.

Ole nickte. „Nächsten Dienstag ist die Trauerfeier. In der Mühle gibt es eine Ausstellung mit seinen Bildern.“

Ella starrte auf die Anzeige. „Ausgerechnet jetzt! Die Verwandten aus Kopenhagen werden kommen!“

Ole sah sie fragend an. „Ist das ein Problem?“

Ella dachte an Morten, Mads, Tove, Merrit und an die Witwe Marga Hansen. Dann sagte sie leise: „Wir müssen nur verhindern, dass sie Lars begegnen. Er sieht seinem Erzeuger nämlich verblüffend ähnlich.“ Dann erzählte sie ihm von Silkes Brief. „Wir wissen ja nun nicht, ob die Witwe von Lars überhaupt etwas weiß. Einen illegitimen Sohn kann man auf einer Beerdigung bestimmt nicht gebrauchen.“

8.

Snogebæk

Die Spuren der Regentropfen konnten sie am nächsten Nachmittag noch als feines Muster im feuchten Sand erkennen. Andere Spaziergänger, barfuß oder mit Schuhen, hatten weitere Abdrücke hinterlassen, und die oberste Schicht des Strandes aufgebrochen, sodass der feine helle, trockene Sand darunter hervorleuchtete. Der Wind hatte sich gelegt, das Meer war ruhiger geworden, nur hin und wieder rauschte eine kräftigere Welle an den Strand. Lars trug Carla auf den Schultern, während Sonja hinter ihm herging. Sie liefen am Wassersaum entlang, wo der Sand fester war und sich das Gehen leichter anfühlte. Der schwarze Tangsaum war verschwunden, das Wasser klar, der Strand weitete sich. Vor dem Wald zog sich eine niedrige, mit Strandhafer bewachsene Dünenkette hin. Hier und da saßen Menschen auf ausgebreiteten Decken und ließen so viel Sonne wie möglich auf ihre Haut scheinen.

Sie blieben bewundernd vor einer kunstvollen Sandburg stehen. Steine und Muscheln verzierten sie, die Mauern umgab ein mit Wasser gefüllter Graben, über den eine hölzerne Brücke führte. Carla wollte zu einem Kind in der Nähe, das mit gelbem Eimer und blauer Schaufel im Sand buddelte. Lars hob sie herunter. 

„Unsere Tochter ist ganz wild auf andere Kinder“, sagte er zu der Frau, die nicht weit entfernt auf einer Decke saß .

„Und offenbar auch auf Sandspielzeug“, erwiderte sie mit einem amüsierten Blick auf ihre Tochter, die vergeblich versuchte, Carla den Eimer wieder zu entreißen.

„Ah, an Sand- und Matschspiele haben wir noch gar nicht gedacht. Aber es gibt ja nichts Schöneres für kleine Kinder!“ Sonja hockte sich neben ihre Tochter und zog sie sanft zu sich.

„Du kannst den roten Eimer und die gelbe Schaufel haben, wir haben alles doppelt.“ Die Frau lächelte und hielt Carla das Spielzeug hin. 

Augenblicklich war Frieden eingekehrt, und Lars, der erkannte, dass Sonja bleiben würde, zog Schuhe und Strümpfe aus und krempelte die Hosenbeine hoch. 

„Dann lauf ich in der Zeit eine Runde“, erklärte er.

Sonja rümpfte die Nase. „Sei so nett und stell die Schuhe woanders hin.“

Lars nahm sie und warf sie weiter weg in den Sand. Genervt lief er los. Das machte sie immer – kleine Sticheleien, sobald andere dabei waren. Warum? Sie kabbelte sich auch mit ihrer Schwester auf diese Weise. „Ist doch nur Spaß“, erklärte sie dann. Aber ihm kam es so vor, als wolle sie ihn vor anderen herabsetzen. Vielleicht war das unter Geschwistern normal. Seine Sportschuhe stanken tatsächlich – das war der Plastikmist, aus dem sie gemacht waren. Seine Lederschuhe hingegen rochen nie unangenehm.

Lars lief gleichmäßig mit federnden Schritten am Wasser entlang. Möwen flogen auf, wenn er sich näherte. Er lief durch flaches Wasser, es war kalt und erfrischend. Sein Ärger verflog. In der Ferne tauchte der Leuchtturm auf. Bis dahin wollte er laufen. Erst als er die Landspitze erreichte, blieb er stehen und verschnaufte. 

Vor ihm breitete sich das Meer aus, darüber der weite Himmel. Als er sich umdrehte, sah er den breiten Sandstrand, dahinter hohe Dünen und schließlich Kiefernwald. Eine Weile stand er mit den Füßen im Wasser, das ihm gar nicht mehr kalt vorkam. Er atmete tief ein und aus und machte sie dann auf den Rückweg. Wie lange war er gelaufen? Eine halbe Stunde? Er hatte die Zeit vergessen.

Als er zurückkam, sah er Sonja und Carla nicht mehr. Nur seine Schuhe standen auf einem hohen Berg aus nassem Sand, der offenbar von kleinen Händen festgeklopft worden war. Seine Socken waren mit runden, grauen, weißen und schwarzen Steinen gefüllt.

„Die beiden Mädchen hatten viel Spaß dabei, und extra schöne Steine ausgesucht“, sagte eine Frauenstimme hinter ihm. „Sonja und Carla sind schon nach Hause gegangen.“

Lars drehte sich um. Eine Frau stand dort, eingewickelt in ein großes grünes Handtuch, die tropfnassen Haare umrahmten ihr Gesicht, ihre grünen Augen erinnerten ihn an eine Nixe.

„Sie gehen da wirklich ganz rein?“, fragte er ungläubig. 

„Freiwillig und jeden Tag.“ Sie lachte. „Aber jetzt muss ich ins Warme. Wir sehen uns bestimmt wieder. Die Mädchen spielen ja gern zusammen.“

Lars sah ihr nach. Erst in diesem Augenblick fiel ihm auf, dass sich in dem Waldgebiet mehrere Ferienhäuser verbargen. Die Nixe wohnte also in einem Haus. 

Er stopfte die schweren Socken in seine Hosentaschen, nahm die Schuhe in die Hände und lief nach Hause. Er fühlte sich herrlich lebendig und gleichzeitig entspannt. Jetzt spürte er, wie das Wasser in seinen Beinen Kälte hinterlassen hatte.

Am Blauen Haus leerte er die Socken auf dem Terrassentisch aus. Drinnen erwarteten ihn heißer Tee und eine köstliche Cremeschnitte mit Blaubeeren. Und am Tisch saßen: eine liebevolle Ehefrau und das süßeste Kind von der ganzen Welt.

Als Carla im Bett war, machte Lars ein Feuer im Ofen. Er füllte zwei Gläser mit Rotwein. Gewärmt von innen und außen sahen sie dem Spiel der Flammen zu. 

Sonja erzählte, was sie von ihrer neuen Bekanntschaft erfahren hatte. Die Nixe hieß Nicole, ihre Tochter Leonie. Ihr Mann hatte sie für eine Woche allein gelassen, weil er dringend in London gebraucht wurde. Deshalb war sie besonders froh, dass sich nicht nur ihre Kinder gut verstanden. Offenbar hatten sie auch über ihn gesprochen, denn Sonja sagte: „Nicole meinte, deine Sportlichkeit sei ihr aufgefallen. So einen durchtrainierten Männerkörper sähe man nicht alle Tage in echt.“

Lars amüsierte sich über diese Bemerkung – aber sie tat ihm auch gut.

Als er später im Bett lag und Sonja hereinkam, um zu prüfen, ob er nicht nur einem Ofen einheizen konnte, war das die Krönung des Tages. 

„Du sollst mal erleben, was eine Massage mit Naturborsten ist“, sagte er, als Sonja es sich bequem gemacht hatte. „Die Behandlung fängt am linken Fuß an, geht langsam hinauf – und über die Mitte wieder hinunter bis zum anderen Fuß.“

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