{"id":56,"date":"2018-02-18T14:07:19","date_gmt":"2018-02-18T13:07:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/?page_id=56"},"modified":"2018-02-18T15:48:11","modified_gmt":"2018-02-18T14:48:11","slug":"die-prinzessin-mit-den-grossen-fuessen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/?page_id=56","title":{"rendered":"Die Prinzessin mit den gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Und noch eine Geschichte aus &#8222;Von der K\u00f6nigin, die behaglich Tee zu trinken w\u00fcnschte&#8220;.<\/p>\n<h5>Die Prinzessin mit den gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen<\/h5>\n<p>Es war einmal ein K\u00f6nigreich. Das bestand nur aus einem gro\u00dfen Schloss, einer Stadt, fruchtbaren Feldern und einem Wald drumherum. Die Leute darin, vom K\u00f6nig angefangen bis zu dem kleinsten Schuhmacherlehrling, waren den ganzen Tag vergn\u00fcgt und heiter. Sie sangen, lachten und scherzten mit ihren Nachbarn. Wenn doch einmal Streit ausbrach, war er schnell mit ein paar freundlichen Worten beigelegt. Den Leuten war gar nicht bewusst, dass sie anders lebten als die Menschen in den Nachbarl\u00e4ndern, es war immer so gewesen. Wenn die Sonne schien, freuten sie sich und wenn es regnete ebenso, denn dann bekamen die Pflanzen in den G\u00e4rten Wasser. Wenn es schneite, bauten sie mit ihren Kindern Schneem\u00e4nner und rodelten zusammen den Berg hinunter. War es kalt und grau drau\u00dfen, sa\u00dfen sie gem\u00fctlich am warmen Ofen und erz\u00e4hlten sich Geschichten. Warum war es in diesem K\u00f6nigreich anders als in anderen L\u00e4ndern? Die Ursache war ein Spiegel. Er hing in der gro\u00dfen Eingangshalle des Schlosses, an ihm ging jeder vorbei, der dort zu tun hatte. Er zeigte den Leuten nicht die Wirklichkeit, kein getreues Abbild. Er zeigte ihnen nur das Sch\u00f6ne. So kam es, wenn ein h\u00e4sslicher Mensch hineinsah, sein Blick auf das fiel, was an ihm sch\u00f6n war. Dann ging er mit einem freundlichen Gesicht weiter, denn er f\u00fchlte sich wohl. Er konnte liebensw\u00fcrdig zu denen sein, die ihm begegneten. Eines Tages aber hatte der Spiegel keine Lust mehr, den Leuten nur das Sch\u00f6ne zu zeigen. &#8222;Sie wissen gar nicht, was ich f\u00fcr sie tue. Ich zeige ihnen jetzt nur noch das was h\u00e4sslich an ihnen ist. Dann werden sie aber Augen machen!&#8220; An dem Morgen kam die Prinzessin singend durch die Halle und an dem Spiegel vor\u00fcber. Sie sah aus Gewohnheit und so nebenbei hinein, wollte weitergehen, doch ihr Fu\u00df stockte, das Lied blieb ihr im Halse stecken. &#8222;Was ist das?&#8220; schrie sie entsetzt und ging n\u00e4her heran. &#8222;So eine gro\u00dfe Nase hatte ich noch nie!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ha!&#8220; lachte der Spiegel. &#8222;Jetzt siehst du es mal richtig!&#8220; &#8222;Und diese Falten um die Augen!&#8220; &#8222;Lachfalten&#8220;, h\u00f6hnte der Spiegel. &#8222;Meine G\u00fcte, auch die F\u00fc\u00dfe sind so gro\u00df!&#8220; Die Prinzessin sah an sich hinunter, dann wieder in den Spiegel. &#8222;Nein, es stimmt, sie sind wirklich reichlich gro\u00df, er verzerrt nichts. Ich habe es nur fr\u00fcher nie gesehen!&#8220; Die Prinzessin wich zur\u00fcck und rannte dann auf ihr Zimmer. Dort schloss sie sich ein und weigerte sich hinauszukommen. Sie kam auch nicht, als der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin gemeinsam an die T\u00fcr klopften und die Prinzessin baten, wenigstens zum Abendbrot herunterzukommen. Sie wollte nicht. Nun waren den ganzen Tag \u00fcber verschiedene Leute an dem Spiegel vorbeigegangen, und denen war es nicht besser ergangen. &#8222;Ich m\u00f6chte doch wissen, warum hier einige Leute so finstere Gesichter machen&#8220;, wunderte sich der K\u00f6nig. Es dauerte nicht lange, da hatte er selber so ein Gesicht. &#8222;So dick war ich noch nie&#8220;, murmelte er, &#8222;und so ein Doppelkinn &#8211; wie soll ich da Eindruck machen, wenn n\u00e4chste Woche die Delegation aus dem Nachbarland kommt?&#8220; Man glaubt nicht, wie schnell aus einem heiteren unbeschwerten Volk so ein Haufen Miesepeter wurde! Der Spiegel freute sich. &#8222;Nun sehen sie den Tatsachen ins Auge!&#8220; Es war, als w\u00e4re eine b\u00f6se Krankheit \u00fcber das Land gekommen, die sie alle l\u00e4hmte und ungl\u00fccklich machte. Nur die H\u00e4ndler in den Nachbarl\u00e4ndern rieben sich die H\u00e4nde, denn nun konnten sie ihre Vitaminpillen, Sch\u00f6nheitsw\u00e4sserchen, Schlankheitskuren, Antifaltencremes und Celluliteroller verkaufen. &#8222;Endlich werden sie vern\u00fcnftig!&#8220; meinten sie. Der K\u00f6nig regierte sein Land so gut es ging. Doch er war ratlos und sehnte sich nach den vergangenen Zeiten zur\u00fcck. &#8222;Wer gegen diese Krankheit ein Rezept hat, dem gebe ich die Hand meiner Tochter&#8220;, lie\u00df er verk\u00fcnden. &#8222;Ach Vater, wer will schon eine Frau mit so gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen haben&#8220;, sagte die Prinzessin traurig. &#8222;Von einer zu gro\u00dfen Nase will ich gar nicht erst reden!&#8220; &#8222;Richtig&#8220;, sagte der K\u00f6nig, &#8222;gro\u00dfe F\u00fc\u00dfe hast du, die hast du doch schon immer gehabt.&#8220; &#8222;Siehst du&#8220;, seufzte die Prinzessin und ging langsam auf ihr Zimmer, um sich wieder einzuschlie\u00dfen. Ein paar K\u00f6nigss\u00f6hne versuchten, das R\u00e4tsel dieser unbekannten Krankheit zu l\u00f6sen. Die meisten hatten schnell wieder aufgegeben, der Spiegel kriegte auch die h\u00e4rtesten klein. Eines Tages, die Sonne schien warm und die Lerchen sangen ihr Sommerlied hoch oben unter dem blauen Himmel, beschloss die Prinzessin auszureiten. Sie ritt im Galopp \u00fcber die Heide. Da sprang ein junger Hase aus seiner Deckung hoch. Erschreckt b\u00e4umte sich das Pferd auf, und die Prinzessin flog in hohem Bogen durch die Luft. Sie landete jedoch weich. &#8222;Aua!&#8220; sagte der Prinz, der bis dahin im Gras gelegen und der einzigen wei\u00dfen Wolke zugesehen hatte. &#8222;Was will mich denn hier erschlagen?&#8220; Er richtete sich auf. &#8222;Ach, ein junges M\u00e4dchen ist vom Himmel gefallen &#8211; und direkt in meine Arme!&#8220; Er sah nach oben. &#8222;Danke! Dann brauche ich gar nicht mehr zum Schloss zu reiten. Denn jetzt habe ich alles was ich mir w\u00fcnsche!&#8220; Dann wurde er ernst: &#8222;Hast du dir wehgetan? Oder bist du verletzt?&#8220; Er legte die Prinzessin behutsam ins Gras, sie seufzte und \u00f6ffnete die Augen. &#8222;Augen, so blau wie der Himmel!&#8220; sagte der Prinz und wollte gar nicht mehr weggucken. &#8222;Lass sehen, ob irgendetwas gebrochen ist.&#8220; Er bef\u00fchlte ganz vorsichtig ihre H\u00e4nde, bewegte die Finger, tastete die Arme ab und dr\u00fcckte ihre H\u00e4nde an seine Lippen. &#8222;Sp\u00fcrst du etwas?&#8220; Die Prinzessin l\u00e4chelte. &#8222;Dann scheint das in Ordnung zu sein. Nun die Beine.&#8220; Er fasste nach ihrem Fu\u00df. Die Prinzessin zuckte zusammen. &#8222;Was fehlt dir?&#8220; &#8222;Zu gro\u00df&#8220;, sagte die Prinzessin, &#8222;nicht kaputt.&#8220; Ganz vorsichtig zog der Prinz der Prinzessin die Schuhe und Str\u00fcmpfe aus, um zu sehen, ob nicht doch ein Kratzer an ihren F\u00fc\u00dfen w\u00e4re. &#8222;So etwas Sch\u00f6nes kann gar nicht gro\u00df genug sein!&#8220; Er zupfte an ihren Zehen. &#8222;Ich werde jeden einzelnen k\u00fcssen&#8220;, sagte er und beugte sich hin\u00fcber. &#8222;Das wirst du nicht!&#8220; lachte die Prinzessin und sprang schnell auf. &#8222;Meine F\u00fc\u00dfe sind schrecklich kitzelig.&#8220; Und sie rannte wie der Wind davon. Bald war sie aber eingeholt und vorne auf sein Pferd gesetzt. Sie redeten und lachten, und die Prinzessin erz\u00e4hlte von ihrem Kummer und dieser l\u00e4hmenden Traurigkeit. Fr\u00fcher hast du nicht an deine F\u00fc\u00dfe gedacht?&#8220; &#8222;Ich habe sie nicht beachtet!&#8220; sagte die Prinzessin. Sie merkte, warum das so gewesen war. Als sie am Schloss ankamen, trug der Prinz die Prinzessin auf seinen Armen ins Schloss, denn sie war ja noch immer barfu\u00df. Sie sahen einander nur an und nicht in den Spiegel. &#8222;Ich glaube, du bist geheilt&#8220;, wunderte sich der K\u00f6nig. &#8222;Nun musst du diesen Burschen heiraten, denn das habe ich versprochen.&#8220; &#8222;Das will ich gerne&#8220;, sagte die Prinzessin und sah dabei gl\u00fccklich aus. Der Spiegel \u00e4rgerte sich und zersprang in tausend St\u00fccke. Er wurde nicht mehr ersetzt. Denn wer braucht schon einen Spiegel, wenn der Liebste einem jeden Tag liebevoll ansieht und sagt, wie sch\u00f6n und besonders man f\u00fcr ihn ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und noch eine Geschichte aus &#8222;Von der K\u00f6nigin, die behaglich Tee zu trinken w\u00fcnschte&#8220;. Die Prinzessin mit den gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":30,"menu_order":6,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-56","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/56","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=56"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/56\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/56\/revisions\/153"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/30"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=56"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}