{"id":54,"date":"2018-02-18T14:04:55","date_gmt":"2018-02-18T13:04:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/?page_id=54"},"modified":"2018-02-21T19:59:19","modified_gmt":"2018-02-21T18:59:19","slug":"der-eisprinz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/?page_id=54","title":{"rendered":"Der Eisprinz"},"content":{"rendered":"<p>Die K\u00f6nigin wollte gerne Geschichten h\u00f6ren. Neu mussten sie sein und spannend. Wer sie langweilte wurde zu lebenslangem Federnsplei\u00dfen eingesperrt. &#8222;Wei\u00dft du eine Geschichte mit Pinguinen?&#8220;, fragte die K\u00f6nigin. Nur Svea wusste so eine zu erz\u00e4hlen und sie erz\u00e4hlt der K\u00f6nigin 13 M\u00e4rchen, um ihren Liebsten zu befreien.<\/p>\n<h5>Der Eisprinz \u2013 aus dem Buch &#8222;Von der K\u00f6nigin, die behaglich Tee zu trinken w\u00fcnschte&#8220;<\/h5>\n<p>Es war einmal ein Prinz, der lebte in einem fernen Land, das nur aus Schnee und Eis bestand. Sein K\u00f6nigreich war winzig, aber sein Schloss einzigartig. Es war ganz und gar aus Eis gemacht und schon von weitem pr\u00e4chtig anzusehen. Das Eis schimmerte blau, grau und wei\u00df in allen Schattierungen, es war zart und zerbrechlich, dabei doch hart und stark. Die Fu\u00dfb\u00f6den waren spiegelblanke Eisfl\u00e4chen. Auf ihnen sauste der Prinz mit seinen Schlittschuhen dahin. Er war ein Meister auf den Schlittschuhen, drehte sich in kunstvollen Pirouetten und machte waghalsige Spr\u00fcnge. Seine Pinguine klatschten Beifall, wenn ihm ein besonderer Sprung gegl\u00fcckt war. Dann machten sie sich seufzend daran, alle Schrammen und Kratzer auf dem Boden zu entfernen, denn das war ihre Aufgabe. Wenn sie an einem Ende des Schlosses fertig waren, konnten sie am anderen wieder beginnen.<\/p>\n<p>T\u00e4glich fischten die Pinguine. In diesem Teil der Welt konnte man nur von rohen Fischen leben. Der Prinz hatte eine lange Rutschbahn aus Eis gebaut, eine wei\u00dfe glatte R\u00f6hre, in der die Pinguine auf dem Bauch liegend bis ins Meer hinuntersausen konnten. Auch der Prinz rutschte zu seinem Vergn\u00fcgen hinunter, nur hatte er f\u00fcr sich eine Abzweigung gebaut, ins Wasser wollte er nicht. Es dauerte n\u00e4mlich schrecklich lange, bis er wieder warm und trocken war. Sonst machte ihm die K\u00e4lte nicht viel aus, denn er war so rund und dick wie ein Pinguin.<\/p>\n<p>Wenn die Sonne sich im Eis spiegelte und so das ganze Schloss zum Funkeln und Glitzern brachte, war der Prinz sehr gl\u00fccklich. Fauchte aber der Eiswind tagelang um die Mauern, sa\u00df der Prinz in seinem Zimmer, alle Pinguine dicht um sich zum Schutz und zitterte. Dann sehnte er sich nach Sonne und W\u00e4rme und etwas, dass nicht nur aus Eis, Schnee und Wasser bestand. Er wusste aber nicht, wonach er sich sehnte, denn er kannte nichts anderes.<\/p>\n<p>In diesem Land aus Schnee und Eis lebte auch ein Zauberer, der versuchte alles, um den Prinzen und seine Pinguine zu vertreiben, denn er wollte das ganze Land alleine haben. Das wusste der Prinz. Daher hatte er um sein Schloss eine doppelte Mauer mit Zinnen gezogen. Immer lag ein gro\u00dfer Vorrat an Schneeb\u00e4llen bereit. Zwei Pinguine standen als W\u00e4chter auf der Mauer und alarmierten den Prinzen, sobald der Zauberer in Sichtweite kam. Dann warf der Prinz ihm mit einem gezielten Schneeball den hohen spitzen Zauberhut vom Kopf. Der Wind wehte den Hut dann weit fort, und der Zauberer musste hinter ihm herlaufen, um ihn wieder einzufangen, denn ohne Hut konnte er gar nicht zaubern. Lange war der Zauberer nicht mehr gesehen worden. Er sa\u00df in seinem Schloss und studierte seine Zauberb\u00fccher.<\/p>\n<p>Eines nachts, als alles schlief und auch den W\u00e4chtern die Augen immer wieder zufielen, stand der Zauberer vor der Schlossmauer und probierte seine neuen Zauberspr\u00fcche aus. Die W\u00e4chter sahen gerade noch, dass ein feuriger S\u00e4geblitz rund um die Au\u00dfenmauer schoss. Der s\u00e4gte ganz schnell einen tiefen und breiten Graben, so dass das kleine K\u00f6nigreich in einem St\u00fcck ins Meer rutschte. Die Wellen nahmen es eilig mit und trugen es immer weiter fort von der Stelle, wo es einmal gestanden hatte. Am neuen Ufer h\u00fcpfte der Zauberer auf und ab vor Freude, weil es ihm gelungen war, seine Feinde loszuwerden. Der Prinz stand auf der Mauer und musste zusehen, wie sein K\u00f6nigreich sich weiter und weiter vom Ufer entfernte und der Zauberer bald nicht mehr zu erkennen war.<\/p>\n<p>Tag und Nacht trieben sie \u00fcber das Meer nach Norden, die Luft und das Wasser wurden w\u00e4rmer, und das K\u00f6nigreich begann zu schmelzen. Die Pinguine vertrugen die W\u00e4rme nicht. Deswegen entlie\u00df der Prinz sie, sie konnten ja gut zur\u00fcckschwimmen. Nur zwei alte Pinguine wollten ihren Herrn nicht alleine lassen. Doch hatten sie es sehr schwer, Fische zu fangen, und so waren sie meistens hungrig. Mit dem K\u00f6nigreich schmolz auch der Speck des Prinzen. Es war nur gut, dass er vorher so dick gewesen war, denn es kam kein Land in Sicht.<\/p>\n<p>Die starke Mauer war weggeschmolzen, auch die stolzen T\u00fcrme waren verschwunden, da tauchte endlich am Horizont ein rotes Segel auf, das rasch gr\u00f6\u00dfer wurde. Der Prinz konnte bald ein Schiff erkennen und eine gro\u00dfe goldene Sonne im Segel. Das schien ihm ein Wunder zu sein und erst recht staunte er, als das Schiff sich neben ihn in den Wind drehte. Eine Leine mit einem Enterhaken kam her\u00fcbergeflogen, eine Br\u00fccke wurde ausgeklappt, und ein in Pelz geh\u00fclltes Wesen ging dar\u00fcber hin und trat vorsichtig auf die schwimmenden Reste des K\u00f6nigreiches. Sie sahen sich eine Weile schweigend an. Dann fragte eine helle Stimme den Prinzen: &#8222;Bist du ein Schiffbr\u00fcchiger?&#8220; Es dauerte lange, bis der Prinz der Prinzessin vom Sonnenreich, denn diese war es, alles erz\u00e4hlt und erkl\u00e4rt hatte. Aber dann waren sie sich einig, der Prinz sollte mit in das Reich der Prinzessin kommen. In das kalte Land des Prinzen wagte sie sich nicht mit ihrem Schiff. Als die Pinguine das h\u00f6rten, baten sie um ihren Abschied. So konnten sie zur\u00fcckkehren und den anderen von der gl\u00fccklichen Rettung ihres Herrn berichten.<\/p>\n<p>Der Prinz segelte nun mit der Prinzessin tage- und n\u00e4chtelang der Sonne entgegen. Sie hatten sich viel zu erz\u00e4hlen, kannte doch einer nicht die Welt des anderen, und sie wurden immer vertrauter miteinander. An einem fr\u00fchen Morgen standen sie nebeneinander im Bug des Schiffes. Der Himmel wurde langsam hell, er f\u00e4rbte sich rosa. Die Sonne ging auf. Ein Duft kam \u00fcber das Wasser, warm, s\u00fc\u00df und unbekannt f\u00fcr den Prinzen. Er atmete den Duft ein. &#8222;Das sind die unz\u00e4hligen Bl\u00e4tter und Bl\u00fcten&#8220;, sagte die Prinzessin mit einem L\u00e4cheln. &#8222;Das ist der Geruch von Erde und Land!&#8220; &#8222;Ich kann es gar nicht abwarten, alles zu sehen!&#8220;, rief der Prinz aus. Bald waren die Umrisse einer Insel zu erkennen, sie schien auf dem hellen Wasser zu schweben. Als sie n\u00e4her kamen, waren verschiedene Gr\u00fcnt\u00f6ne, dann die H\u00e4user einer Stadt und endlich auch ein rotes Schloss zu unterscheiden. Nun sah der Prinz die Dinge, von denen die Prinzessin ihm erz\u00e4hlt hatte.<\/p>\n<p>Als das Schiff angelegt hatte, wurden sie von einer freudigen Menge begr\u00fc\u00dft. Auf dem Weg zum Schloss mussten sie oft stehen bleiben. Es war so ein Gewimmel von Menschen und fremden Tieren und L\u00e4rm und Ger\u00fcchen! &#8222;Ich bin ganz \u00fcberw\u00e4ltigt!&#8220; sagte der Prinz, als sie im Schloss angekommen waren. &#8222;Wie sch\u00f6n ist dein Land! Ich m\u00f6chte alles sehen, alle Blumen und Pflanzen, alle Tiere und die Menschen kennenlernen!&#8220; &#8222;Das habe ich gehofft&#8220;, sagte die Prinzessin, &#8222;denn ich wollte dich fragen, ob du immer mit mir hier leben m\u00f6chtest.&#8220; &#8222;Das will ich ganz gewiss. Ich m\u00f6chte nicht mehr ohne dich sein!&#8220;, antwortete der Prinz und nahm die Prinzessin in seine Arme.<\/p>\n<p>Die Hochzeit wurde bald gefeiert, und die Prinzessin schenkte ihrem Gemahl eine Eisbahn. Manchmal flitzten sie Hand in Hand \u00fcber die blanke Eisfl\u00e4che. Doch am liebsten sa\u00df die Prinzessin am Rand und sah ihrem Mann bei seinen akrobatischen Spr\u00fcngen und Pirouetten zu. Die Bewegung war gut f\u00fcr ihn, sonst h\u00e4tte er schnell wieder Pinguinform angenommen. Denn die Speisen, die in diesem Land gegessen wurden, schmeckte ihm doch viel besser als der rohe Fisch! Wenn der Eisprinz gem\u00e4chlich durch den bl\u00fchenden Garten ging und sich an den Blumen und Fr\u00fcchten erfreute, fiel ihm manchmal der Zauberer ein. Er stellte sich vor, wie der h\u00e4ndereibend und frierend in seinem eiskalten Schloss sa\u00df. Dann gefiel ihm die Bl\u00fctenpracht noch einmal so gut!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00f6nigin wollte gerne Geschichten h\u00f6ren. Neu mussten sie sein und spannend. Wer sie langweilte wurde zu lebenslangem Federnsplei\u00dfen eingesperrt. &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":30,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-54","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/54","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=54"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/54\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":407,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/54\/revisions\/407"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/30"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=54"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}