{"id":10345,"date":"2026-08-23T09:48:42","date_gmt":"2026-08-23T07:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/?page_id=10345"},"modified":"2026-08-23T09:52:41","modified_gmt":"2026-08-23T07:52:41","slug":"oen-bornholm-roman","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/?page_id=10345","title":{"rendered":"\u00d8en Bornholm-Roman"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:23% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"420\" height=\"648\" src=\"https:\/\/www.hanna-dunkel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/YXNT3yoy1d5BHiR-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10254 size-full\"\/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein neuer Roman ist da \u2013 f\u00fcr alle Bornholmliebhaber und solche, die es werden wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 16. Juli 2026 erschien er im Verlag Ralf Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein kleiner Roman mit 143 Seiten, Fadenbindung und Festeinband. Es ist ein handwerklich sch\u00f6nes Buch aus Liebes Druckwerkstatt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Erst seit Sonntag wei\u00df ich, dass mein Vater nicht mein Vater ist, dass der biologische &#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der deutsche Polizist Lars Lerchenberger reist mit seiner Familie auf die d\u00e4nische Insel Bornholm. Er m\u00f6chte sich von einem traumatischen Erlebnis erholen. Eingeladen hat ihn seine Tante Ella, die seit zehn Jahren in R\u00f8nne lebt. Dort erf\u00e4hrt er von einem Familiengeheimnis und einem m\u00f6glichen Erbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neugierig geworden, begibt Lars sich nach Gudhjem. Er ahnt nicht, dass er seinem Vater sehr \u00e4hnlich sieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leseprobe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kopenhagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mads schenkte sich Kaffee aus der Thermoskanne ein und trat mit dem Becher ans Fenster. Er hatte sich in die Stille seines B\u00fcros zur\u00fcckgezogen, um ein launiges Gedicht auf seinen Zwillingsbruder Morten zu verfassen. In zwei Wochen w\u00fcrden sie 55 Jahre alt werden. In D\u00e4nemark wurden zu solchen Feiern selbstverfasste Lieder oder Gedichte erwartet. Alles, was ihm bis jetzt eingefallen war, f\u00fcllte den Papierkorb. Sie sahen sich kaum, unternahmen nichts mehr miteinander. Ihre Frauen sahen sich \u00f6fter, die Schwestern waren immer noch ein Herz und eine Seele, obwohl sie unterschiedlich waren. Tove hatte ihm erz\u00e4hlt, dass Morten, der fr\u00fcher als \u00dcbersetzer gearbeitet hatte, nun an einem eigenen Kriminalroman schrieb. Es f\u00fchlte sich f\u00fcr Mads so an, als ob sie einander mit den Jahren fremder wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berlin war ihre Vaterstadt, K\u00f8benhavn die Stadt ihrer Mutter. Es war gut, hier zu wohnen und zu arbeiten. \u00d6ko war Trend, und gesunde Ern\u00e4hrung Fortschritt. Das sah er t\u00e4glich in seinem Gesch\u00e4ft und verdiente gut daran. Und er liebte die Stadt am Wasser, die Aussicht auf die alten T\u00fcrme und die begr\u00fcnten D\u00e4cher. Sollte er Verse von <em>Max und Moritz<\/em> auf Mads und Morten umdichten? So hatte sein Vater sie immer genannt. <em>Ach was muss man oft von b\u00f6sen Kindern h\u00f6ren oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Mads und Morten hie\u00dfen.<\/em> Die Geschichte ging nicht gut aus.<em> Rickeracke, Rickeracke geht die M\u00fchle mit Geknacke<\/em> \u2013 nein, das Ende hatte er immer gef\u00fcrchtet. Dabei waren die Verse so eing\u00e4ngig und kamen so leicht daher \u2013 vielleicht hatte Wilhelm Busch auch ganz lange dar\u00fcber gebr\u00fctet, nur sah es \u00fcberhaupt nicht danach aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Handy riss ihn aus seinen Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er nahm den Anruf an, ohne aufs Display zu sehen. \u201eMads Schneider-Hansen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eTove hier\u201c, die Stimme seiner Frau, gehetzt \u2013 bestimmt war gerade viel im Laden zu tun. \u201eMor hat eben angerufen, Far ist gestorben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Schwiegervater war schon lange krank, sein Tod war abzusehen gewesen, trotzdem war die Nachricht wie ein Faustschlag in den Magen. \u201eOh, das tut mir leid\u201c, brachte er heraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJa, nun m\u00fcssen wir nach Bornholm. N\u00e4chste Woche am Dienstag ist schon die Beisetzung. Du, Morten und die Kinder k\u00f6nnt bei Povl auf dem Hof wohnen, Merrit und ich werden bei Mor bleiben. Dann k\u00f6nnen wir ihr bei den Vorbereitungen helfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDas geht aber jetzt schnell!\u201c Mads war \u00fcberrascht, gleich schon von fertigen Pl\u00e4nen zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMor war doch darauf vorbereitet. Far hat es geschafft, so sieht sie das und Merrit und ich auch. Sagst du bitte meiner Schwester Bescheid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNat\u00fcrlich\u201c, sagte er und dachte, dass sie gemeinsam schon lange nicht mehr auf Bornholm gewesen waren \u2013 und er das eigentlich auch gar nicht wollte. Aber bei so einem Anlass musste das sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er rief umgehend bei seiner Schw\u00e4gerin an. Aber es meldete sich Morten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch habe eine traurige Nachricht\u201c, sagte Mads, um Morten etwas vorzubereiten. \u201eTove rief eben an, unser Schwiegervater ist gestorben. Am Dienstag ist schon die Beerdigung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNun werden die Bilder des alten Hansen aber wertvoll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSag blo\u00df, du besitzt welche?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNein \u2013 aber wir erben die doch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDa ist noch seine Witwe\u201c, erinnerte ihn Mads, \u201eund bevor du etwas erbst, bekommen seine T\u00f6chter das.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJa, alles klar, Tove und Merrit, unsere geliebten Frauen.\u201c Mortens Lachen klang wie das Meckern eines Ziegenbocks und dieses blieb Mads noch eine ganze Weile im Ohr, obwohl er das Gespr\u00e4ch l\u00e4ngst beendet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>R\u00f8nne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eTraritrara, die Post ist da!\u201c Jacob st\u00fcrmte herein. Vor vielen Jahren hatte er in Flensburg die Post zugestellt, und mit diesem deutschen Satz fiel er Ella immer ins Haus, wenn er einen Brief f\u00fcr sie hatte. Im Sommer hatte er es eilig, dann wollte er rechtzeitig mit seiner neuen Liebe auf seinem Segelboot unterwegs sein. Nur im Winter blieb er auf einen Kaffee und einem Schwatz auf Deutsch l\u00e4nger, um sich aufzuw\u00e4rmen und seine Sprachkenntnisse zu pflegen, wie er immer behauptete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ella sah auf, sie hatte die H\u00e4nde im Teig um Streusel zu kneten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEr passte nicht in deinen Kasten.\u201c Jacob legte den umfangreichen Brief auf den K\u00fcchentisch. \u201eWas wird das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eApfelkuchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHm \u2013 hoffentlich l\u00e4sst du mir ein St\u00fcck f\u00fcr morgen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eFalls mein Besuch etwas \u00fcbrig l\u00e4sst, gern.\u201c Ella schmunzelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Jacob davoneilte, sah Ella neugierig auf den gro\u00dfen, dicken Umschlag, deutschen Briefmarken waren darauf. Dann erstarrte sie \u2013 das war ein Brief von Silke! Die Handschrift ihrer Schwester kannte sie genau \u2013&nbsp;nur war Silke seit einigen Wochen tot. Ella \u00fcberlief es kalt. Das war wie eine Nachricht wie aus dem Grab!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie wusch sich die H\u00e4nde, trocknete sie sorgf\u00e4ltig ab und lie\u00df sich auf einem Stuhl nieder. Seit zehn Jahren \u2013 so lange sie hier in R\u00f8nne lebte \u2013 hatten sie keinen Kontakt mehr gehabt. Aber es war ein Brief von ihr. Auf der R\u00fcckseite stand ihr Absender, nur die Anschrift stimmte nicht. Dass der Brief sie \u00fcberhaupt erreicht hatte war ein Wunder! Silke hatte weder eine Postleitzahl, Bornholm oder D\u00e4nemark auf den Umschlag geschrieben. Als w\u00fcsste jeder, dass R\u00f8nne auf Bornholm liegt und Bornholm zu D\u00e4nemark geh\u00f6rt. Der dicke Brief musste erst durch die ganze Welt gereist sein \u2013 jedenfalls lie\u00dfen die Vermerke und Stempelabdrucke darauf schlie\u00dfen. Und doch hatte er sie erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ella nahm ein K\u00fcchenmesser und schlitzte den Briefumschlag auf. Zwei Briefe waren darin. Der gr\u00f6\u00dfere war f\u00fcr ihren Sohn Lars, auf dem kleineren stand: <em>f\u00fcr Ella. <\/em>Ella \u00f6ffnete ihn mit zitternden H\u00e4nden.<em>Liebe Ella,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>schon lange wollte ich dir schreiben \u2013 aber ich war noch nie gut darin, Fehler einzusehen. Doch ich habe erkannt, dass du Recht hattest. Es tut mir leid, dass es durch meine Dickk\u00f6pfigkeit zu dem Streit gekommen ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Bitte sag Lars die Wahrheit, er muss wissen, wer sein leiblicher Vater ist \u2013 ich hatte es immer vorgehabt, aber ich konnte es nicht. Du kannst es bestimmt viel besser.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ja, ich bin ein gro\u00dfer Feigling. In meinem Freundeskreis sehe ich, wie Hinterbliebene sich w\u00fcnschen, sie h\u00e4tten dies oder das noch erledigt oder gesagt. Ich m\u00f6chte auch, dass alles am Ende in Ordnung ist!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hoffentlich kannst du mir verzeihen, dass ich so viele Jahre verstreichen lie\u00df. Ich war so dumm und habe dich, meine liebe Schwester, dadurch verloren. Vielleicht k\u00f6nnen wir uns wiederfinden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das w\u00fcnscht sich<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Deine Schwester<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Silke<\/em>Ella las den Brief noch einmal. Wenn Silke das blo\u00df fr\u00fcher eingesehen h\u00e4tte! Wie oft hatte sie ihr gefehlt in all den Jahren. Und nun kam der Brief an und Lars mit seiner kleinen Familie. Sie hatte ihn nach Bornholm eingeladen, weil sie auf Silkes Beerdigung gesehen hatte, dass er Erholung n\u00f6tig hatte. Auch wenn ein Polizist im Streifendienst so manchen Unfall erleben musste, war es doch ein furchtbares Erlebnis, zu einem Verkehrsunfall mit Radfahrer gerufen zu werden \u2013 und dort seine eigene Mutter auf der Stra\u00dfe liegen zu sehen, die verblutete. Das h\u00e4tte wohl den erfahrensten Mann umgehauen \u2013 und Lars war besonders sensibel. Er hatte ihr so leid getan. Die Ruhe und die Seeluft w\u00fcrden ihm helfen, sein seelische Gleichgewicht wiederzufinden, hatte sie gedacht. In der Nachsaison war das <em>Blaue Haus<\/em>, das ihren Freunden geh\u00f6rte, g\u00fcnstig zu mieten. Ausgerechnet jetzt kam Silke an, sie solle ihrem Sohn alles erz\u00e4hlen. Ella war derma\u00dfen durcheinander, dass sie nicht wusste, ob es nicht besser sei, den Brief ungelesen in den Ofen zu stecken. Lars sollte doch wieder zu sich kommen. Vielleicht w\u00fcrde ihn die Aufkl\u00e4rung erst richtig schaden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch das geschlossene Fenster h\u00f6rte sie drei m\u00e4chtige T\u00f6ne eines Typhons, die anzeigten, dass die Maschine des Schiffes r\u00fcckw\u00e4rts lief. Die F\u00e4hre mit Lars an Bord drehte im Hafenbecken, um mit dem Heck anzulegen. Erst morgen w\u00fcrden sie zu ihr kommen, das hatten sie am Telefon vereinbart. Drei Wochen blieben ihr, um zu \u00fcberlegen, was sie tun sollte. Dann w\u00fcrde sie hoffentlich wissen, was gut f\u00fcr Lars war. Silke konnte ihr nun keine Vorschriften mehr machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ella legte die Briefe zur Seite und k\u00fcmmerte sich um den Apfelkuchen.<strong>7.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>R\u00f8nne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ella r\u00e4umte auf, sp\u00fclte ab und begann, Gem\u00fcse f\u00fcr das Abendessen zu schneiden. Sie wollte eine Fischsuppe kochen \u2013 doch wenn Ole ohne Fisch kam, w\u00fcrde es eben eine Gem\u00fcsesuppe werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bald musste sie Licht einschalten; es wurde schnell dunkel. Dann h\u00f6rte sie den Regen. Erst leises Trommeln, dann prasselten Hagelk\u00f6rner gegen das Fenster. Dicht und heftig st\u00fcrzten Wassermassen vom Himmel. Der L\u00e4rm \u00fcbert\u00f6nte alles, sodass sie nicht bemerkte, wie die Haust\u00fcr ge\u00f6ffnet wurde. Pl\u00f6tzlich stand Ole im Flur, tropfnass. \u201e<em>Hej<\/em>, endlich Regen!\u201c, rief er lachend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ella warf ihm ein Handtuch zu. \u201eNasse Fr\u00f6sche kriegen keinen Kuss.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er rubbelte sich trocken, h\u00e4ngte seine Jacke an den Haken im Flur und zog ein in Zeitung gewickeltes P\u00e4ckchen aus der Tasche. Mit einem triumphierenden L\u00e4cheln legte er es auf das Sp\u00fclbrett. \u201eHier kommt der frische Dorsch.\u201c Dann zog er sie in seine Arme und k\u00fcsste sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eGut, mein Dorsch.\u201c Ella wickelte den Fisch aus der Zeitung. \u201eDas war mal ein richtig gro\u00dfer Bursche.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ole sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein, leider waren es nur drei kleine. Gro\u00dfe Fische habe ich schon lange nicht mehr gesehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAber es reicht f\u00fcr die Suppe.\u201c Ella sp\u00fclte die Filets, schnitt sie in St\u00fccke und gab sie in den hei\u00dfen Gem\u00fcsesud. \u201eGleich k\u00f6nnen wir essen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade wollte sie die Zeitung zusammenkn\u00fcllen, als ihr Blick an einer Todesanzeige h\u00e4ngen blieb. Ihr Herz setzte f\u00fcr einen Moment aus. \u201eHendrik Hansen ist gestorben!\u201c, rief sie erschrocken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ole nickte. \u201eN\u00e4chsten Dienstag ist die Trauerfeier. In der M\u00fchle gibt es eine Ausstellung mit seinen Bildern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ella starrte auf die Anzeige. \u201eAusgerechnet jetzt! Die Verwandten aus Kopenhagen werden kommen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ole sah sie fragend an. \u201eIst das ein Problem?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ella dachte an Morten, Mads, Tove, Merrit und an die Witwe Marga Hansen. Dann sagte sie leise: \u201eWir m\u00fcssen nur verhindern, dass sie Lars begegnen. Er sieht seinem Erzeuger n\u00e4mlich verbl\u00fcffend \u00e4hnlich.\u201c Dann erz\u00e4hlte sie ihm von Silkes Brief. \u201eWir wissen ja nun nicht, ob die Witwe von Lars \u00fcberhaupt etwas wei\u00df. Einen illegitimen Sohn kann man auf einer Beerdigung bestimmt nicht gebrauchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>8.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Snogeb\u00e6k<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Spuren der Regentropfen konnten sie am n\u00e4chsten Nachmittag noch als feines Muster im feuchten Sand erkennen. Andere Spazierg\u00e4nger, barfu\u00df oder mit Schuhen, hatten weitere Abdr\u00fccke hinterlassen, und die oberste Schicht des Strandes aufgebrochen, sodass der feine helle, trockene Sand darunter hervorleuchtete. Der Wind hatte sich gelegt, das Meer war ruhiger geworden, nur hin und wieder rauschte eine kr\u00e4ftigere Welle an den Strand. Lars trug Carla auf den Schultern, w\u00e4hrend Sonja hinter ihm herging. Sie liefen am Wassersaum entlang, wo der Sand fester war und sich das Gehen leichter anf\u00fchlte. Der schwarze Tangsaum war verschwunden, das Wasser klar, der Strand weitete sich. Vor dem Wald zog sich eine niedrige, mit Strandhafer bewachsene D\u00fcnenkette hin. Hier und da sa\u00dfen Menschen auf ausgebreiteten Decken und lie\u00dfen so viel Sonne wie m\u00f6glich auf ihre Haut scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie blieben bewundernd vor einer kunstvollen Sandburg stehen. Steine und Muscheln verzierten sie, die Mauern umgab ein mit Wasser gef\u00fcllter Graben, \u00fcber den eine h\u00f6lzerne Br\u00fccke f\u00fchrte. Carla wollte zu einem Kind in der N\u00e4he, das mit gelbem Eimer und blauer Schaufel im Sand buddelte. Lars hob sie herunter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnsere Tochter ist ganz wild auf andere Kinder\u201c, sagte er zu der Frau, die nicht weit entfernt auf einer Decke sa\u00df .<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnd offenbar auch auf Sandspielzeug\u201c, erwiderte sie mit einem am\u00fcsierten Blick auf ihre Tochter, die vergeblich versuchte, Carla den Eimer wieder zu entrei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAh, an Sand- und Matschspiele haben wir noch gar nicht gedacht. Aber es gibt ja nichts Sch\u00f6neres f\u00fcr kleine Kinder!\u201c Sonja hockte sich neben ihre Tochter und zog sie sanft zu sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDu kannst den roten Eimer und die gelbe Schaufel haben, wir haben alles doppelt.\u201c Die Frau l\u00e4chelte und hielt Carla das Spielzeug hin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Augenblicklich war Frieden eingekehrt, und Lars, der erkannte, dass Sonja bleiben w\u00fcrde, zog Schuhe und Str\u00fcmpfe aus und krempelte die Hosenbeine hoch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDann lauf ich in der Zeit eine Runde\u201c, erkl\u00e4rte er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sonja r\u00fcmpfte die Nase. \u201eSei so nett und stell die Schuhe woanders hin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lars nahm sie und warf sie weiter weg in den Sand. Genervt lief er los. Das machte sie immer \u2013 kleine Sticheleien, sobald andere dabei waren. Warum? Sie kabbelte sich auch mit ihrer Schwester auf diese Weise. \u201eIst doch nur Spa\u00df\u201c, erkl\u00e4rte sie dann. Aber ihm kam es so vor, als wolle sie ihn vor anderen herabsetzen. Vielleicht war das unter Geschwistern normal. Seine Sportschuhe stanken tats\u00e4chlich \u2013 das war der Plastikmist, aus dem sie gemacht waren. Seine Lederschuhe hingegen rochen nie unangenehm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lars lief gleichm\u00e4\u00dfig mit federnden Schritten am Wasser entlang. M\u00f6wen flogen auf, wenn er sich n\u00e4herte. Er lief durch flaches Wasser, es war kalt und erfrischend. Sein \u00c4rger verflog. In der Ferne tauchte der Leuchtturm auf. Bis dahin wollte er laufen. Erst als er die Landspitze erreichte, blieb er stehen und verschnaufte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor ihm breitete sich das Meer aus, dar\u00fcber der weite Himmel. Als er sich umdrehte, sah er den breiten Sandstrand, dahinter hohe D\u00fcnen und schlie\u00dflich Kiefernwald. Eine Weile stand er mit den F\u00fc\u00dfen im Wasser, das ihm gar nicht mehr kalt vorkam. Er atmete tief ein und aus und machte sie dann auf den R\u00fcckweg. Wie lange war er gelaufen? Eine halbe Stunde? Er hatte die Zeit vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er zur\u00fcckkam, sah er Sonja und Carla nicht mehr. Nur seine Schuhe standen auf einem hohen Berg aus nassem Sand, der offenbar von kleinen H\u00e4nden festgeklopft worden war. Seine Socken waren mit runden, grauen, wei\u00dfen und schwarzen Steinen gef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie beiden M\u00e4dchen hatten viel Spa\u00df dabei, und extra sch\u00f6ne Steine ausgesucht\u201c, sagte eine Frauenstimme hinter ihm. \u201eSonja und Carla sind schon nach Hause gegangen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lars drehte sich um. Eine Frau stand dort, eingewickelt in ein gro\u00dfes gr\u00fcnes Handtuch, die tropfnassen Haare umrahmten ihr Gesicht, ihre gr\u00fcnen Augen erinnerten ihn an eine Nixe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSie gehen da wirklich ganz rein?\u201c, fragte er ungl\u00e4ubig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eFreiwillig und jeden Tag.\u201c Sie lachte. \u201eAber jetzt muss ich ins Warme. Wir sehen uns bestimmt wieder. Die M\u00e4dchen spielen ja gern zusammen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lars sah ihr nach. Erst in diesem Augenblick fiel ihm auf, dass sich in dem Waldgebiet mehrere Ferienh\u00e4user verbargen. Die Nixe wohnte also in einem Haus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er stopfte die schweren Socken in seine Hosentaschen, nahm die Schuhe in die H\u00e4nde und lief nach Hause. Er f\u00fchlte sich herrlich lebendig und gleichzeitig entspannt. Jetzt sp\u00fcrte er, wie das Wasser in seinen Beinen K\u00e4lte hinterlassen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am <em>Blauen Haus<\/em> leerte er die Socken auf dem Terrassentisch aus. Drinnen erwarteten ihn hei\u00dfer Tee und eine k\u00f6stliche Cremeschnitte mit Blaubeeren. Und am Tisch sa\u00dfen: eine liebevolle Ehefrau und das s\u00fc\u00dfeste Kind von der ganzen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Carla im Bett war, machte Lars ein Feuer im Ofen. Er f\u00fcllte zwei Gl\u00e4ser mit Rotwein. Gew\u00e4rmt von innen und au\u00dfen sahen sie dem Spiel der Flammen zu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sonja erz\u00e4hlte, was sie von ihrer neuen Bekanntschaft erfahren hatte. Die Nixe hie\u00df Nicole, ihre Tochter Leonie. Ihr Mann hatte sie f\u00fcr eine Woche allein gelassen, weil er dringend in London gebraucht wurde. Deshalb war sie besonders froh, dass sich nicht nur ihre Kinder gut verstanden. Offenbar hatten sie auch \u00fcber ihn gesprochen, denn Sonja sagte: \u201eNicole meinte, deine Sportlichkeit sei ihr aufgefallen. So einen durchtrainierten M\u00e4nnerk\u00f6rper s\u00e4he man nicht alle Tage in echt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lars am\u00fcsierte sich \u00fcber diese Bemerkung \u2013 aber sie tat ihm auch gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er sp\u00e4ter im Bett lag und Sonja hereinkam, um zu pr\u00fcfen, ob er nicht nur einem Ofen einheizen konnte, war das die Kr\u00f6nung des Tages.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDu sollst mal erleben, was eine Massage mit Naturborsten ist\u201c, sagte er, als Sonja es sich bequem gemacht hatte. \u201eDie Behandlung f\u00e4ngt am linken Fu\u00df an, geht langsam hinauf \u2013 und \u00fcber die Mitte wieder hinunter bis zum anderen Fu\u00df.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein neuer Roman ist da \u2013 f\u00fcr alle Bornholmliebhaber und solche, die es werden wollen. Am 16. 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